Buhnen an der Ostseeküste

Buhnen gehören für mich ganz selbstverständlich zum Bild der Ostseeküste. Eigentlich sind sie funktionale Bauwerke: Sie ragen vom Strand ins Meer, bremsen Wellen und Strömungen und helfen dabei, den Sand an der Küste zu halten und sie so vor Erosion zu schützen.

Aber wenn ich am Strand entlanggehe, denke ich selten zuerst an Küstenschutz. Mich fasziniert vielmehr, wie sehr diese einfachen Reihen aus Holz, Stein oder Beton das Bild des Meeres verändern. Die Wellen brechen sich an ihnen, Wasser schäumt zwischen den Pfählen hindurch und zieht wieder zurück. Je nach Wind, Wetter und Licht sieht derselbe Ort immer wieder anders aus.

Besonders die alten Holzbuhnen haben für mich ihren ganz eigenen Reiz. Wind, Wasser und Salz haben über viele Jahre ihre Spuren hinterlassen. Das Holz ist dunkel geworden, verwittert, mit Algen und Muscheln bewachsen oder teilweise schon zerfallen. Gerade dieses Unperfekte macht sie für mich so interessant.

Vielleicht erklärt das auch, warum Buhnen nicht nur mich, sondern so viele Menschen mit der Kamera anziehen. Sie geben dem Wasser eine Richtung, teilen die Weite des Meeres, lassen Wellen sichtbar brechen und führen den Blick hinaus bis zum Horizont. Mal stehen sie fast still im ruhigen Wasser, mal verschwinden sie unter den Wellen.

Ich habe schon viele Buhnen fotografiert – und trotzdem bleibe ich bei der nächsten wieder stehen. Denn keine sieht wirklich aus wie die andere, und das Meer inszeniert sie jedes Mal neu.

Ostsee-mein Meer
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